Presseanfrage zum neuen Eltern-Filter auf dem DB Jobportal
Die Deutsche Bahn integrierte einen Eltern-Filter auf ihrem Jobportal. Eltern können nun nach einem "Job für Eltern” filtern. Ein LinkedIn-Beitrag darüber, von Moritz Bornwasser*, geht viral. Die Stimmen darunter reichen in alle Richtungen.
*Moritz Bornwasser ist Vater und Mitarbeiter bei UPYU, einer Recruiting-Plattform für familienfreundliches und freies Arbeiten.
Jana Stäbener, Online-Redakteurin bei der Frankfurter Rundschau, bat mich um meine Meinung:
Franziska, was sagst du zu diesem Filter auf dem Jobportal der DB?
Ich sehe ihn als einen Schritt. Ein vorsichtiger Versuch in eine neue Richtung, der sich jetzt weiter entwickeln muss und hoffentlich andere Unternehmen dazu anregt, Ähnliches zu tun.
Welche Intention vermutest du dahinter?
Es könnten verschiedene Intentionen sein.
Fachkräftemangel. Vielleicht hat die DB Schwierigkeiten, ihre Stellen zu besetzen und öffnet sich daher den Anforderungen, die potentielle Mitarbeitende benötigen.
Personaleinsatzplanung. Vielleicht hat die DB Schwierigkeiten mit Fluktuation, Krankenstand, Wiedereinstieg, Mitarbeiterzufriedenheit und Dienstplaneinhaltung.
Haltung. Vielleicht hat die DB einfach auch verstanden, dass wir eine neue Arbeitskultur brauchen und diese auch erkennbar machen müssen. Wenn das der Fall ist, glaube ich, dass diese Haltung aus einer Notwendigkeit entstand.
Hilft solch ein Filter der Gleichberechtigung von Eltern im Beruf – oder eher im Gegenteil?
Natürlich werden Eltern mit so einem Filter für bestimmte Stellen ausgeklammert bzw. auf bestimmte Stellen reduziert. Hier könnte man jetzt sagen, dass das nicht im Sinne der Gleichberechtigung ist - ich erkenne hier, dass die DB versucht, einerseits Bedarfsorientierung zu geben und andererseits ihre Arbeitskräfte zu schützen.
Mit diesem Filter gibt die DB Eltern die Möglichkeit, schneller die Stellenangebote zu finden, die eher für ihren Bedarf passen. Damit geben Sie den Eltern und auch sich selbst Zeitersparnis an die Hand und Orientierung.
Gleichzeitig schaffen Sie intern die Möglichkeit, Ausfälle von Eltern zu händeln, Dienstpläne einzuhalten und Ausfälle nicht auf dem Rücken anderer Arbeitskräfte auszugleichen. Sie sorgen quasi vor und wollen an frühestmöglicher Stelle Verantwortung übernehmen.
Auch wenn dieser Filter ein guter Anfang ist, bedeutet das nicht, dass er perfekt ist. Nur Eltern anzusprechen, ist zu kurz gedacht. Es gibt Menschen, die sich nicht aktiv um Kinder kümmern müssen, und ähnliche Bedarfe haben. Und es gibt Eltern, die diese Bedarfe gar nicht haben. Die Entscheidung, was Eltern brauchen, liegt bei den Eltern und nicht bei der DB.
Meine Empfehlung ist daher, die Filter nicht nach Rollen und Lebenssituationen zu benennen, sondern den Bedarf direkt zu anzugeben, bspw.: Arbeitsumfang, Flexibilität, Belastung.
Des Weiteren empfehle ich maximale Transparenz auf den Seiten der DB.: Welche Werte werden gelebt und wer ist willkommen und warum.
Wie absurd ist solch ein Filter in Zeiten, in denen die CDU ständig von zu wenig Arbeit spricht? Immerhin sind viele Deutsche Eltern – und warum sollten sie nur rund 2,4 % der insgesamt 3565 angebotenen Jobs machen können?
Hier habe ich einen anderen Blick drauf: Ich bin mir sicher, dass, wenn die DB nicht für die Eltern entscheidet, was für diese brauchen und allen Interessierten die Möglichkeit gibt, nach Bedarf zu filtern – dann werden Eltern deutlich mehr als nur 2,4 % Jobs angeboten, die sie machen können.
Wir können nicht alles auf einmal umsetzen, der jetzige Filter ist ein Anfang und mit ihm hat die DB einen Vorstoß gewagt, der sich jetzt weiter entwickeln muss. Die Richtung stimmt!